SPD Kalchreuth

Betreuung demenzkranker Menschen durch Fortbildung Langzeitarbeitsloser zu Pflegeassistenten

Senioren

Rosi Schmitt, Altenpflegerin, Altentherapeutin und Bezirkstagskandidatin der SPD ERH zum Thema Betreuung durch Langzeitarbeitslose:

"Ich halte es grundsätzlich für einen wirklichen Fortschritt, dass die Bundesregierung die Bedeutung der Demenzproblematik erkannt hat und mit dem Pflegeleistungsergänzungs-gesetz darauf reagiert.

Wenn nun schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose zu Pflegeassistenten mit der Aufgabe der Betreuung von demenzkranken Menschen fortgebildet werden sollen, ergeben sich verschiedene Fragen. Sollen die Pflegeassistenten Betreuung in der Gruppenarbeit leisten?
Wenn ja, reichen dazu 100 Stunden Schulung plus 60 Stunden Praxis bei weitem nicht aus. Denn die Demenz ist sehr komplex, sie erfordert ein sehr differenziertes Umgehen mit dem Demenzerkrankten. Die Demenz hat viele Gesichter: Sie verläuft in verschiedenen Phasen, die jeder Demenzkranke anders erlebt. Dazu kommen erschwerend noch andere Krankheiten wie Depression, Aggression, Wahnvorstellungen, Ängste etc. Fundiertes Wissen, vor allem in der Gerontopsychiatrie, ist folglich dazu nötig. Wer interessiert ist und sich dieses Wissen aneignen will, kann das tun, auch wenn er/sie älter und/oder längere Zeit ohne Arbeit ist – dazu braucht er/sie eine gerontopsychiatrische Fortbildung.

Wenn an Einzelbetreuung gedacht ist, zeigt meine Erfahrung, dass diese Arbeit schon vielfach von ehrenamtlichen, freiwilligen BetreuerInnen geleistet wird. Diese werden geschult und entlasten dann Angehörige ein bis zwei Mal pro Woche, indem sie einige Stunden mit dem Demenzkranken verbringen. Diese ehrenamtlichen BetreuerInnen werden fachlich begleitet. Es finden regelmäßige Gesprächsrunden zum Erfahrungsaustausch statt. Die BetreuerInnen bauen zu „ihrem“ dementen Menschen ein Vertrauensverhältnis auf. Das ist möglich, weil sie sich jeweils um einen demenzkranken Menschen kümmern.

Wichtig ist in der Betreuung vor allem, dem dementen Menschen mit einem hohen Maß an Einfühlungsvermögen (Empathie) und Verständnis zu begegnen. Voraussetzung dafür ist, dass die BetreuerInnen diese schwierige Arbeit freiwillig und gern tun. Darin sind sich die Fachleute einig, wie zum Beispiel Heimbetreiber Wallraffen aus Mönchengladbach jüngst im Tagesgespräch auf Bayern 2 äußerte.

Wenn die Menschen, die in den Pflegeheimen zur Betreuung Demenzkranker eingestellt werden, unter anderem diese Fähigkeit zur Empathie und Sympathie mitbringen, sehe ich die Chance, dass das Projekt gelingt. Denn der Bedarf zur Betreuung demenzkranker Menschen ist groß und wächst weiter. Ich bin mir sicher, dass unter den Langzeitarbeitslosen viele Interessierte sind, die die Arbeit als BetreuerIn als Chance sehen. Sollten sie wirklich Aufgaben übernehmen wie vorlesen, zuhören, Spaziergänge oder Besorgungen machen, so ist das positiv zu bewerten.

Offen ist bisher die Frage, ob die künftigen BetreuerInnen von demenzkranken Menschen in Heimen auch Gruppenarbeit leisten und selbständig leiten sollen. Der Heimalltag legt das nahe. Zumal auch nicht ganz klar ist, wie um wie viele Pflegeheim-Bewohner eine BetreuerIn sich bemühen soll. Mit der Gruppenarbeit jedoch wäre eine BetreuerIn ohne gerontopsychiatrische Ausbildung meines Erachtens überfordert.

Meine Skepsis gründet auf der ungenauen Definition des Tätigkeitsfeldes. Der bisher in der Öffentlichkeit verwendete Begriff des „PflegeassistentInnen“ ist in diesem Zusammenhang irreführend. Aus meiner beruflichen Erfahrung gibt es bereits „PflegeassistentInnen“; diese sind allerdings als Hilfskräfte in der Pflege und in der Hauswirtschaft eingesetzt. Das bedeutet, sie stehen in der Hierarchie der bezahlten Mitarbeiter eines Pflegeheimes an unterster Stelle. Entsprechend zählen sie zu den Geringverdienern. Es ist also die Frage zu stellen: Was verbirgt sich letztlich hinter dem Begriff der „PflegeassistentIn“? Werden die künftigen BetreuerInnen der demenzkranken Menschen von ihrer Arbeit leben können?

Wenn ältere Pflegefachkräfte langzeitarbeitslos sind und hier eine Chance ergreifen wollen, Betreuung zu erlernen, sehe ich das positiv. Allerdings wäre es meiner Ansicht nach sinnvoll, mit dem Programm von Bundesanstalt und Sozialministerium diese Fachkräfte auch zu AltentherapeutInnen fortzubilden und als solche anzustellen. Unter deren Regie könnte der Einsatz von PflegeassistentInnen durchaus sinnvoll sein. Parallel dazu verdient es das Netz ehrenamtlicher Helfer, weiter ausgebaut zu werden. Denn ihr freiwilliges Engagement ist unverzichtbar und ein Stück Bürgergesellschaft, wie ich sie mir wünsche."

 

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Monika Bentz

 

Christian Pech Landratskandidat