SPD Kalchreuth

"In ein Heim - nie. Bis zum letzten Atemzug bleibe ich daheim."

Senioren


Rosi Schmitt

Glück hat der, der das von sich sagen kann. Die Realität schaut oft anders aus. Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer mäßigen bis schweren Demenz – und landen zumeist in Heimen. Alternative Wohnformen für demente Menschen wollte die Kreis-SPD aufzeigen – und lockte damit 50 bis 60 Interessierte ins Gasthaus Scheubel.
Dazu hatten die Sozialdemokraten unter Federführung von stellvertretender Kreisvorsitzender Rosi Schmitt eine Riege von Fachleuten eingeladen, die das Problem der Demenz aus unterschiedlichen Blickwinkeln überzeugend darstellten: Mia Schunk, Psycho-Gerontologin und Mitglied der Alzheimer-Gesellschaft, Heiner Dehner, Psychologe und Projektleiter der betreuten Wohngruppe in Obersteinbach, und Horst Krömker, Psychiater und SPD-Bezirksrat.

Rosi Schmitt, als Altenpflegerin und Altentherapeutin ebenfalls vom Fach, machte darauf aufmerksam, dass die Versorgung dementer Menschen zu Hause ab einem gewissen Stadium der Krankheit zum Problem wird, die Angehörigen stoßen zeitlich, körperlich und seelisch an Grenzen, sind durch Unwissenheit, eigene Probleme überfordert. Darunter leiden Angehörige und Betroffene. Die Menschen werden älter. Damit steigt zwangsläufig die Zahl der Dementen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der pflegenden Angehörigen ab. Es gibt Probleme mit der Heimunterbringung und der Finanzierung sowie einen Mangel an Alternativen zur Unterbringung in Heimen.
Horst Krömker schilderte die Lage anhand von Zahlen aus dem Bezirk. Über 50 Prozent der psychisch Kranken seien in Heimen untergebracht. Für eine angemessene Therapie und Betreuung sei ein multiprofessionelles Team erforderlich. Um das leisten zu können "muss die Demenz in die Einstufung der Pflegestufe einbezogen werden", so Krömker. Das werde im Koalitionsvertrag gefordert, sei aber auch bereits im Koalitionsvertrag der Vorgängerregierung postuliert worden. Erste Priorität bei Demenz sollte der Verbleib in den eigenen vier Wänden haben, bei ambulanter Pflege; als zweite Möglichkeit sollten Wohn- oder Hausgemeinschaften gefördert werden. Der Bezirk habe hier die Möglichkeit, die Tagespflege zu stärken. Zudem könne politisch die rechtliche Gleichstellung von Wohngruppen für Demente mit Heimen forciert werden.
Mia Schunk gab ebenfalls der ambulanten Versorgung dementer Menschen den Vorzug vor der stationären. Sie betonte aber, dass die Demenz Phasen habe, "wo man um ein Heim nicht herum kommt". Daher legt sie besonderen Wert darauf, dass es überprüfbare Kriterien für eine gute Versorgung gibt. Die Alzheimer Gesellschaft Mittelfranken e.V. hat ein Prüfungszertifikat „Qualitätssiegel Demenz“ konzipiert. Mit dem Qualitätssiegel Demenz soll Einrichtungen die Möglichkeit gegeben werden, die Wohn- und Pflegequalität für demenziell erkrankte Bewohner transparent und sichtbar zu machen. ( Wie wird mit den Dementen umgegangen? Wie sieht es mit Fortbildung aus? etc.).
Heiner Dehner schließlich machte das Problem und seine Lösungsmöglichkeiten anschaulich. Er erzählte von den vielen Hürden, die er und seine Mitstreiter überwinden mussten, ehe sie die Wohngruppe gründen konnten. Dazu musste er Ministerpräsident Stoiber bemühen, um Rechtssicherheit für die Wohnform außerhalb des Heimgesetzes zu erlangen. Danach habe er ein heruntergekommenes, ehemaliges Altenheim gekauft und renoviert.
Heute leben in der Wohngruppe in Obersteinbach bis zu zwölf Menschen, bei einer Betreuung rund um die Uhr. Das Projekt sei ganz ohne Zuschüsse verwirklicht worden. Wichtig dafür sei die Mitarbeit der Angehörigen im Angehörigengremium. Der Grundsatz sei, von der Würde der Menschen, eben auch der kranken Menschen, her zu denken. Je mehr man den Dementen ihren eigenen Rhythmus lässt, desto weniger Medikamente brauchen sie, desto fröhlicher seien sie, desto besser gehe es ihnen. Bildlich vor Augen geführt wurde das in einem ZDF-Film über die Wohngruppe Obersteinbach, den Dehner per Video zeigte.
Eine ausgiebige Diskussion schloss sich an. Dabei hatten die Referenten viele Fragen zu beantworten, die Diskutanten brachten jedoch auch eigene Erfahrungen mit Heimunterbringung oder Behörden ein. Einige der Besucher des Abends erklärten sich auch gleich bereit, an einem von Rosi Schmitt angeregten "runden Tisch" mitzumachen. Ziel soll sein, im Landkreis Erlangen-Höchstadt Wohngruppen für demente Menschen zu schaffen, die es ermöglichen, auch bei psychischer und geistiger Erkrankung würdevoll und freudig zu leben. Schon im Mai will sich die Gesprächsrunde erstmals treffen.

 

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