SPD Kalchreuth

SPD-Podium zum Thema „Armut im Alter“

Senioren

ADELSDORF – Die Frage der Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums ist neu zu stellen. Nur so lässt sich bestehende Armut abbauen und künftige Armut verhindern. Darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion des SPD-Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt am Ende mit dem Großteil der Zuhörer einig. Thema des Abends im Landhotel Die Kronen war die „Armut im Alter“.

Dass Altersarmut im Landkreis derzeit kaum eine Rolle spielt, unterlegte Landrat Eberhard Irlinger mit Zahlen. Von rund 22.000 Menschen über 65 Jahren beziehen lediglich 98 Zahlungen nach der Grundsicherung. Das seien 0,45 Prozent, deutlich geringer als der Bundesdurchschnitt von 2,3 Prozent. Die Arbeitslosenzahlen sind gering, wie seit Jahrzehnten nicht. Entsprechend hielte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die Grundsicherung beziehen, mit rund 1000 in erträglichen Grenzen. 411 Haushalte beziehen Wohngeld, 475 Hilfe zum Unterhalt, dazu bekämen 636 Kinder Hilfeleistungen, bei zirka 20.000 Kindern, die im Landkreis leben. Um diese positive Lage zu erhalten forderte der Landrat Mindestlöhne. Der Landkreis könne zur Vermeidung von Armut neben den Hilfeleistungen nur durch das Vorhalten guter Schulen beitragen. Gute Bildung und Ausbildung seien die wesentlichen Voraussetzungen für ein späteres gutes Auskommen.

Sozialexpertin und Bezirkstagskandidatin Rosi Schmitt wie darauf hin, dass heute besonders Frauen von Altersarmut betroffen seien, z.B. Kriegswitwen, die ihre Kinder allein erzogen haben, sich als Putzhilfe oder sonstige gering verdienende Kräfte verdingt haben. Sie haben nach dem Krieg das Land mit aufgebaut, ohne im Alter in den Genuss von Anerkennung dafür zu kommen. Dazu kämen Frauen, die nie selbst sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, weil sie sich ganz der Familie gewidmet haben. Verwitwet erhalten sie nur 60 Prozent der Rente ihres Mannes. Und selbst wenn die Rente groß genug ist, davon zu leben, gilt dies nur, solange die Rentner gesund sind. Pflegebedürftigkeit stürzt laut Schmitt viele ältere Menschen in den Hilfebedarf.

Die Prognose des Armutsberichtes, dass in 25 Jahren 25-30 Prozent der Rentner in Armut leben werden, müsse aufschrecken. Gründe dafür seien neben der demografischen Entwicklung Brüche in der Erwerbsbiographie, Teilzeitarbeit, schlechte Ausgangssituationen von Kindern. Daher seien ordentliche Tariflöhne nötig. „80.000 Jugendliche verlassen derzeit jährlich die Schule ohne Abschluss“, sagte sie. Dem müsse man durch ein Gesamtschulsystem mit individuellen Fördermöglichkeiten entgegenarbeiten, damit die Kinder annähend gleiche Chancen erhalten.

Ähnliche Beobachtungen hat auch VdK-Kreisvorsitzender Kunibert Wittwer gemacht. „Zu uns kommen Leute, die einen Rechtsanspruch haben und die bei uns Hilfe und Rat suchen.“ Die meisten davon mit Rentenproblemen oder in Fragen des Behindertenrechts. Seit kurzem selbst Rentner, „war ich erstaunt, was alles von der Rente abgezogen wird“. Er bemerkt die Armut darin, dass zunehmend Leute aus dem VdK austreten, wenn sie mit dessen Hilfe ihr Ziel erreicht haben. „Denn vielen tun die fünf Euro Monatsbeitrag heute schon weh“, weiß er. Wittwer forderte ein Umdenken, „eine Revolution in den Köpfen“, um die drohende Entwicklung hin zu einer Armut von vielen abzuwehren.

MdL und Awo-Landesvorsitzender Thomas Beyer untermauerte die Beobachtungen mit weiteren Zahlen. Die Durchschnittsrente betrage 806 €, bei Frauen nur gut die Hälfte davon. Es gebe zudem eine bewusst herbeigeführte Rentensenkung, bis 2030 etwa um 20 Prozent. Den Rückgang der Arbeitslosigkeit bezeichnete Beyer zum Teil als Makulatur, weil Menschen in Billiglohn-Jobs, landen, die sie wieder in eine prekäre Lage versetzen. Wenn man wissen wolle, ob es bei uns Armut gebe, müsse man nur die langen Schlangen vor den Tafeln anschauen „Das sind die offenen Geschwüre unserer Gesellschaft“, zeigte sich der Landtagsabgeordnete skeptisch.

„Wir werden über die Renten und über die Pflegeversicherung neu reden müssen“, stellte Beyer als Hausaufgabe für die Politik. Das Rentensystem müsse weiter entwickelt werden, etwa durch die Einbeziehung der Selbständigen oder durch die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer. Wenn wir nicht wollen, dass die Schere in der Gesellschaft zwischen Wohlhabenden und Armen immer größer wird, müssen wir über die Umverteilung reden“, plädierte er.

Eine Reihe von Zuhörern gaben weitere Beispiele von Armut und unterstützten und präzisierten angesprochene Forderungen, wie etwa die nach der Abschaffung der Mini-Jobs.

Eingangs hatte SPD-Kreisvorsitzender Fritz Müller die Gäste der Diskussion begrüßt, die von NN-Redakteur Dieter Köchel moderiert wurde. Unter den Besuchern waren neben KommunalpolitikerInnen und interessierten BürgerInnen SPD-Landtagskandidatin Alexandra Hiersemann und die Bezirkstagskandidatin der SPD in der Stadt Erlangen, Gisela Niclas.

 

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Christian Pech Landratskandidat